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Qualität beurteilen

Sie finden, dass man beim Schuhkauf in erster Linie seinem Geschmack folgen soll? Damit haben Sie nicht ganz unrecht, denn ein Schuh soll zu Ihrem Stil und zu Ihren Bedürfnissen passen. Aber auch die Qualität spielt eine Rolle, denn Sie möchten lange Freude an den Schuhen haben. Lesen Sie deshalb hier, wie Sie als Kunde die Qualität eines Schuhs überprüfen und
sich vor Fehlkäufen schützen können.

Lederschuhe prüfen

Manche innere Qualitäten eines Lederschuhs sind für Laien naturgemäß gar nicht oder nur sehr schwer zu beurteilen. Beim genauen Hinsehen lassen sich aber durchaus etliche Hinweise auf die Qualität eines Schuhs gewinnen.

Obeflächenstruktur von Leder
Leichte Unregelmäßigkeiten sind normal

Oberflächenstruktur

Sehen Sie sich die Oberfläche der Schuhe an: Sind Färbung und Struktur gleichmäßig? Auch wenn Leder ein Naturprodukt ist und deshalb immer leichte Unregelmäßigkeiten aufweisen kann, sollten keine auffälligen Fehler festzustellen sein.

Dabei können Sie sich auch nach dem Gebrauchszweck richten - bei einem rustikalen Arbeits- oder Outdoorschuh wird man größere Narben oder Farbfehler eher hinnehmen als bei einem Schuh fürs Business oder für gesellschaftliche Anlässe. Risse oder Abplatzungen sollte man dagegen grundsätzlich nicht tolerieren.

Verbindungs- und Ziernähte
Sind Verbindungs- und Ziernähte symmetrisch?

Verbindungs- und Ziernähte

Bei der Gelegenheit nehmen Sie gleich auch Verbindungs- und Ziernähte sowie Lochmuster in Augenschein. Verlaufen sie regelmäßig und bei beiden Schuhen eines Paars symmetrisch? Sind Sie sorgfältig, ohne lose Fäden oder Ausfransungen gearbeitet? Dann können Sie zufrieden sein.

Besonders interessant ist der Blick auf die Ferse. Besitzt der Schuh eine Fersennaht, darf sie nicht schief stehen, sondern der Schuh sollte dort gerade und gleichmäßig verarbeitet sein. An dieser Stelle zeigen sich übrigens auch gerne unschöne Falten, wenn unachtsam genäht wurde.

Die Qualität, mit der die Ferse konstruiert wurde, lässt sich übrigens auch bei der Anprobe feststellen: Wenn Sie mit dem Fuß einfach ohne jeden Widerstand herausrutschen können, ist entweder der Schuh zu groß, oder der Schuh gibt keinen Halt an der Ferse - beides sind gute Gründe, vom Kauf abzusehen. Drücken Sie außerdem den Fersenteil seitlich zusammen. Der
Schuh muss flexibel nachgeben, sich dann aber auch gleich wieder zurückstellen. Dellen oder bleibende Verformungen nach diesem Test sind ein K.O.-Kriterium.

Hier reden wir übrigens nicht nur von einem Schönheitsfehler oder einem Komfortmangel: Bei Schuhen mit hohen Absätzen kann mangelnder Fersenhalt eine Ursache für ein verletzungsträchtiges Abknicken beim Gehen sein.

Absatz und Übergang von der Sohle zum Schaft

Absatz und Sohle
Sind Absatz und Sohle ordnungsgemäß angebracht worden?

Sehen Sie nun nach dem Absatz. Bei Sohlen, die in einem Stück angespritzt oder angeklebt wurden, wird es hier nicht viel zu bemängeln geben. Anders sieht es aus, wenn der Schuhabsatz als Lauffläche einen sogenannten Absatzfleck besitzt, also eine meist angeklebte, seltener angenähte untere Abschlussschicht. Der Fleck muss rundum dem Absatz gleichmäßig angepasst
sein, er sollte nicht vorstehen, und er darf nicht zu einer Seite verrutscht sein.

Da wir schon beim Boden sind, prüfen Sie nun rundum den Übergang von der Sohle zum Schaft. Er sollte gleichmäßig ausgeführt sein, Nähte müssen eine regelmäßige Ausführung zeigen, zwischen geklebten oder gespritzten Sohlen und dem Schaft dürfen keine unregelmäßigen Lücken zu finden sein. Auch Klebstoffreste oder -flecken verraten mangelnde Sorgfalt bei der Herstellung.

Ledergeruchsprobe

Wichtig ist als nächstes die Nasenprobe. Ein neuer Lederschuh strömt den typischen würzigen Ledergeruch aus. Nehmen Sie statt dessen einen penetranten Chemikaliengeruch wahr, kann das entweder an den beim Gerben verwendeten Stoffen liegen oder an Konservierungsmitteln, die auf langen Transportwegen vor allem aus Fernost gerne in den Schiffscontainern eingesetzt werden. Beides spricht nicht für Qualität.

Werfen Sie anschließend einen Blick ins Innere des Schuhs. Futter und Innensohle sollten einen sauber verarbeiteten Eindruck machen. Auch hier sind Klebstoffflecken ein Qualitätsmangel. Nähte müssen mit regelmäßigem Stich und in gleichmäßigem Verlauf hergestellt sein. Und zum Schluss? Abschließend folgt eine gründliche Anprobe. Dabei können Sie beurteilen, ob der Fuß gut gestützt wird und ausreichend Halt findet. Und Sie stellen natürlich fest, ob er gut passt. Denn die falsche Größe werden Sie ganz sicher nicht kaufen, auch wenn die Qualität der Verarbeitung noch so hochwertig ist.

Textilschuhe prüfen

Hier gilt weitgehend das, was wir bereits zu den Lederschuhen geschrieben haben. Beim Kauf sollten Sie sich Textilschuhe zudem auf typische Mängel der Stoffverarbeitung hin genau ansehen.

Unsaubere, schiefe Nähte oder ausfransende Stoffkanten sind ein Zeichen mangelnder Sorgfalt bei der Herstellung ebenso wie auffällige Webfehler oder andere Mängel in der Stoffstruktur und -färbung. Das gilt natürlich nicht, wenn der sogenannte Used-Look als Designmerkmal beabsichtigt ist.

Synthetik-Schuhe prüfen

Schuhe aus Lederimitat sind in vielerlei Hinsicht wie Lederschuhe verarbeitet. Sie können deshalb die Inspektion im wesentlichen so durchführen, wie oben beschrieben. Die einzige Unwägbarkeit liegt hier im Material. Es kann beim einen Hersteller zu moderaten Preisen und hervorragende Gebrauchseigenschaften führen, es kann beim anderen Produzenten aber auch vorzeitig unansehnlich werden oder durch ungünstiges Schuhklima geradewegs ins Fußgeruch-Desaster führen. Das stellt sich jedoch erst nach einiger Zeit des Tragens heraus. Da die wenigsten Schuhkäufer versierte Materialtechniker sind, bleibt ihnen im wesentlichen das Vertrauen in den Hersteller: Verlassen Sie sich hier auf den bewährten Marken-Lieferanten. Der hat einen Ruf zu verlieren und wird Sie nicht enttäuschen wollen.

Und bedenken Sie nach der Sichtprüfung:
Ein No-Name-Hersteller, an dessen Schuh Ihnen schon unsaubere Verarbeitung oder konstruktive Mängel aufgefallen sind, wird ganz sicher keinen Cent zuviel in hochwertige Kunstleder-Qualitäten investiert haben.

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Bildquellen

Lederoberflächenstruktur: morguefile
Verbindungs- und Ziernähte: morguefile