In Schuh-Fachgeschäften werden Sie meist gut und umfassend beraten. Es schadet aber ganz und gar nicht, wenn Sie selbst ein wenig Schuh-Know-how mitbringen. Sie finden dann leichter Ihren ganz persönlichen Wohlfühl-Schuh, können gezielt nach Ihren Wunsch-Merkmalen fragen, und auch die Verkäuferinnen und Verkäufer können Sie besser beraten, wenn Sie sich auch mit Details auskennen.
Wir haben hier das wichtigste Schuh-Wissen zusammengestellt. Möchten Sie sich eingehender mit der Welt der Schuhe befassen, informiert Sie unser Lexikon zu allen Fragen rund um den Schuh.

Hier müssen wir zunächst die beiden wesentlichen Bestandteile eines Schuhs unterscheiden:
Zum einen den Schaft, das ist der Teil, der den Fuß rundherum und oben umschließt. Zum anderen den Boden, das ist der Teil, auf dem man steht. Die meisten Menschen sagen einfach Sohle dazu, und das ist für den Hausgebrauch auch ganz in Ordnung. Sie möchten aber mehr über Schuhe wissen, deshalb gehen wir später noch genauer darauf ein - das Thema ist spannender, als man zuerst denken mag. Für Schaft und Boden werden ganz unterschiedliche Materialien verwendet, und sie werden auf sehr vielfältige Weise verarbeitet.
Der Schaft eines Schuhs wird traditionell aus Leder hergestellt. Leder ist die gereinigte Haut von Tieren, die durch Gerben, also die Behandlung mit natürlich oder chemischen Substanzen, weich, widerstandsfähig und haltbar gemacht wird. Am häufigsten wird für die Schuhherstellung Leder vom Rind oder vom Schwein verwendet, aber auch Leder anderer Nutztiere, von Exoten oder Wildtieren kann zu Schuhen verarbeitet werden. Schuhe können auch mit Leder gefüttert sein, Lederschuhe werden aber auch mit textilen Futterstoffen versehen. Den größten Einfluss auf Qualität und Gebrauchstauglichkeit hat jedoch das Obermaterial, also die Außenfläche
des Schafts.
Eine sehr einfach Unterteilung der Lederqualitäten kann man danach vornehmen, welche Lederseite nach außen zeigt. Das ist entweder die sogenannte Fleischseite, also die Innenseite des Leders. Sie ist von Natur aus rauer und fühlt sich weicher an. Oder man sieht beim fertigen Schuh auf die sogenannte Narbenseite, die Außenseite des Leders. Sie ist glatter und trägt ihren Namen deshalb, weil sie leicht strukturiert ist - je nach Tierart auf ganz typische Weise.

Verarbeitet man die Narbenseite nach außen, erhält man im einfachsten Fall einen Glattleder- Schuh. Durch die etwas dichtere, glattere Oberfläche nimmt er nicht so rasch Staub und Schmutz an. Möchte man diese Eigenschaft noch verstärken und zugleich durch einen höheren Glanz eine interessantere Optik schaffen, kann man das Leder durch einen feinen Schliff weiter glätten.
Dann spricht man vom Brushleder. Wird noch mehr Glanz gewünscht, lässt sich dies durch eine Beschichtung erreichen. Früher verwendete man dafür vorwiegend Lacke auf Ölbasis. Daher kommt die Bezeichnung Lackleder. Heute wird auch mit synthetischen Materialien wie Polyurethan oder Vinyl beschichtet, die leichter zu verarbeiten sind und einen schicken Lackschuh erschwinglicher machen.

Natürlich kann man die Narbenseite von Leder auch ganz im Gegenteil aufrauen. Das geschieht ebenfalls mit einem Schleifverfahren, es wird dabei nur etwas gröber geschliffen. Das Ergebnis nennt sich Nubuk - eine samtweich aufgeraute Oberfläche, die elegant und zugleich sehr natürlich wirkt.
Nubuk zählt zu den sogenannten Rauledern. Rauleder-Schuhe entstehen aber auch auf eine ganz andere Art: Man dreht das Leder einfach um und verarbeitet die Fleischseite nach außen, denn die ist von Natur aus schon rauer. Der Fachbegriff lautet dann Veloursleder. Schuhe aus Veloursleder besitzen eine etwas rauere Oberfläche als Nubuk-Schuhe.
Sie haben sicher schon häufiger gehört, dass Rauleder-Schuhe als Wildleder-Schuhe bezeichnet wurden. In aller Regel ist das nicht korrekt. Wildleder ist das Leder von Wildtieren, also beispielsweise von Rehen, Hirschen oder Elchen. Es wirkt zwar je nach Gerbverfahren auch häufig rau, aber im Großteil der Fälle stammt das Material für Rauleder-Schuhe aus der Nutztier- Haltung und hat mit Wildtieren nichts zu tun.
Rinder besitzen wortwörtlich ein sehr dickes Fell: Die Häute von Rindern können 5 bis 10 mm stark sein. Zwar kann diese Stärke bei der Verarbeitung reduziert werden, trotzdem entstehen aus der vollen Rinderhaut nur sehr derbe, schwere Schuhe. Die sind zwar ausgesprochen widerstandsfähig, meist aber wenig elegant. Um die Verarbeitung des Leders zu erleichtern, eine einheitliche Stärke herzustellen und den Tragekomfort des Schuhs zu verbessern, spaltet man Rindleder in dünnere, flexiblere Schichten. Dabei ist die äußere Schicht, der sogenannte Narbenspalt, die dichtere und widerstandsfähigere. Die innere Schicht, der Fleischspalt, ist weniger fest und dadurch empfindlicher.

Für den Schaft von Schuhen werden gerne auch Gewebe verarbeitet – Leinen, Baumwolle oder synthetische Fasern. Der klassische Turnschuh wird aus Textilmaterialien gefertigt, aber auch Bootsschuhe, leichte Sommerschuhe oder die preiswerten Espadrilles. Ebenso trifft man Lederschuhe
an, die mit textilem Material gefüttert sind.
Textilschuhe haben ihre eigenen Vorteile: Sie sind in der Regel luftdurchlässig, sie trocknen meist unproblematisch, wenn sie nass geworden sind, und sie wirken leger und sportlich. Dafür können sie schmutzempfindlich sein und ebenso Flecken bekommen wie Kleidungsstücke aus Gewebe.
Nicht nur Textilien können aus synthetischen Fasern bestehen, auch geschlossene Synthetik- Materialien wie Kunstleder werden für die Schuhproduktion verwendet. Das hat Vor- und Nachteile.
Der Vorteil: Kunststoffe können in einer sehr großen Bandbreite ganz gezielt mit bestimmten Eigenschaften produziert werden. Sie können atmungsaktiv sein, sie können sehr wetterund schmutzunempfindlich ausgerüstet werden, sie können dehnbarer sein als die meisten Naturmaterialien, sie lassen sich fast beliebig färben und strukturieren, und sie können durch die Kombination dieser Merkmale sehr exakt auf den jeweiligen Einsatzzweck hin entwickelt
werden.
Der Nachteil: Das muss auch wirklich geschehen, und wenn es nicht geschieht, kann der Tragekomfort zu wünschen übrig lassen, die Haltbarkeit kann gering sein, und im Schuh kann sich wegen schlechter Atmungsaktivität ein ungesundes Kleinklima bilden.

Man trifft sie fast ausschließlich als Gummistiefel an, zuweilen als Garten(über)schuhe, selten noch als Galoschen, als Überziehschuhe aus Gummi, die die eigentlichen Schuhe vor Wasser schützen sollen.
Schuhe aus Gummi, heute oft auch PVC, verfolgen nur einen Zweck: Wasser und andere Flüssigkeiten abzuhalten, sei es bei Regen oder in Gewerbebetrieben wie der Lebensmittelverarbeitung. Sie müssen deshalb vor allem wasserdicht sein, außerdem müssen sie bequem tragbar sein. Dass das Klima in einem Gummi- oder PVC-Schuh nicht optimal sein kann, liegt auf der Hand. Deshalb sind bessere Qualitäten zumindest im Standbereich mit saugfähigen und feuchtigskeitsableitenden Textilien gefüttert.
Im Standardfall besteht der Boden eines Schuhs aus zwei Schichten: Ganz unten die Laufsohle, die beim Gehen mit dem Untergrund in Berührung kommt. Darüber die Brandsohle, auf der der Fuß steht. Auf der Brandsohle kann sich noch eine dünne Decksohle oder eine lose Einlegesohle befinden. Zwischen Lauf- und Brandsohle kann noch eine Zwischensohle eingearbeitet sein, meist aus weicheren, flexiblen Materialien, die den Schuboden polstert.
Die Brandsohle ist das zentrale Element eines Schuhs. An ihr wird oben der Schaft und unten die Laufsohle befestigt. Sie kann aus Leder bestehen, kann aber auch aus Gewebe oder imprägnierter Spezialpappe hergestellt und für gute Geheigenschaften beschichtet werden. Die Art und Weise, wie Laufsohle, Brandsohle und Schaft miteinander verbunden werden, nennt man Machart.
Die Laufsohle kann aus recht unterschiedlichen Materialien bestehen. Lange Zeit und heute noch bei eher teuren Schuhen wurde und wird sie aus Leder hergestellt. Für Verfechter alter Traditionen ist dies häufig das einzige in Frage kommende Material - es wirkt nobel und elegant.
Jedoch haben Leder-Laufsohlen durchaus ihre Nachteile, die ihre Tauglichkeit im Alltag je nach Anwendung beeinträchtigen. Leder verschleißt zum Beispiel stärker als viele moderne Materialien - das sprichwörtliche Loch im Schuh ist das Loch in der durchgelaufenen Ledersohle. Um das auszugleichen, könnte man die Ledersohle dicker machen, doch mit jeder Lederschicht würde die Sohle auch steifer und unkomfortabler. Ein weiteres Problem von Sohlen aus Leder: Sie sind nicht profiliert, Schuhe mit Ledersohle sind also nichts für schwierige Untergründe und bieten beim Gehen weniger Halt auf dem Boden. Und schließlich sind Ledersohlen empfindlich gegenüber Wasser und naturgemäß nicht dicht.
Kurz und gut: Ledersohlen sind eher für Situationen geeignet, in denen es auf die repräsentative Erscheinung ankommt, und weniger für einen verschleißträchtigen Alltag mit seinen vielfältigen Beanspruchungen.
Der weitaus größe Teil der Schuhe besitzt heute eine Laufsohle aus Polymeren. Das ist der Oberbegriff für Gummi und Kunststoffe. Gummi kann aus Naturlatex, künstlich oder als Mischung der beiden Qualitäten hergestellt werden.
Als Kunststoffe werden beispielsweise Polyvinylchlorid (PVC, etwa für Gummistiefel und Regenschuhe) oder Polyurethane (PU) verwendet. Eine für die Schuherstellung besonders geeignete Variante sind die Thermoplastischen Polyurethane (TPU). Da sie durch Erhitzen formbar werden, lassen sie sich schnell in Formen spritzen und weiterverarbeiten, Produktionsreste können wieder eingeschmolzen und so umweltfreundlich vollständig verbraucht werden. Moderne TPUSohlen, wie sie Rohde herstellt, sind bei hoher Festigkeit rutschsicher, beständig, reißfest, verschleißarm und dabei besonders leicht & ein Plus für den Tragekomfort.

Laufsohlen aus Polymerwerkstoffen bringen grundsätzlich den Vorteil mit sich, dass sie sich für jeden Einsatzzweck mit dem passenden Profil versehen lassen - je nachdem, ob ein Wanderoder ein Straßenschuh, ein Sicherheits- oder ein Sportschuh entstehen soll.
Während Ledersohlen mit Brandsohle und Schaft häufig vernäht werden, verbindet man Polymersohlen meist durch Ankleben, Anvulkanisieren oder Anspritzen mit dem Schuh.
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Gummistiefel: morguefile